Die Bundesregierung plant das erfolgreiche Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ ab 2023 nicht weiter zu finanzieren. Zwei Mitarbeiterinnen der LAG freie Kitaträger Hessen e.V. haben in den letzten fünf Jahren 45 Einrichtungen in Hessen als Sprach-Kita Fachberaterinnen begleitet. Wir wissen: Das Programm zu stoppen heißt Qualität abzuschaffen. Deswegen brauchen wir Unterstützung bei der Petition Sprach-Kitas retten.

Hier geht es direkt zur Petition an den Deutschen Bundestag: Petition zur Rettung der Sprach-Kitas!

Logo Kampagne Sprach-Kitas retten
Die Kampagne „Sprach-Kitas retten“ will erreichen, dass das Bundesprogramm noch zwei Jahre fortgeführt wird, um dann verstetigt zu werden (Erläuterung siehe unten).

Noch im Dezember 2021 hatten sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag dazu ausgesprochen, das Programm „Sprach-Kitas“ weiterzuentwickeln und zu verstetigen. Ein halbes Jahr später sind im Haushalt des Bundesfamilienministeriums keine Mittel hierfür vorgesehen. Dass bei der frühkindlichen Bildung, bei einem nachweislich erfolgreichen Programm, der Rotstift angesetzt wird, ist – trotz des Wissens um die vielen neuen Problemlagen und daraus entstandenen Herausforderungen der Bundesregierung – nicht nachvollziehbar. Wir setzen uns dafür ein, dass das Programm fortgeführt und vor allem bundesweit verstetigt wird.

Bundesprogramm fördert nachweislich pädagogische Qualität in Sprach-Kitas

Der Erfolg des Programms basiert auf einer für ein Bundesprogramm im Bereich frühkindliche Bildung einmaligen Struktur:

  1. Das Programm finanziert und schult Fachberater*innen, die zusätzliche Fachkräfte, Leitungskräfte und Träger von Kitas prozessbegleitend beraten. Das Programm finanziert und schult außerdem zusätzliche Fachkräfte in den Einrichtungen. Sie sind vom Gruppendienst ausgenommen, um Reflektionsprozesse in Kita-Teams anzuregen und die pädagogischen Fachkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen. Träger, Leitungskräfte und pädagogische Fachkräfte sind im Qualitätsentwicklungsprozess einbezogen. Vernetzungsangebote, Arbeitskreise und Qualitätstreffen sind wichtige qualitätsfördernde Bausteine des Programms.
  2. Neben Sprache (alltagsintegrierte Sprachbildung) fokussiert das Bundesprogramm drei weitere Themen, die ineinandergreifen: inklusive Pädagogik, Zusammenarbeit mit Familien sowie (ab 2020) digitale Medien.
  3. Eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung evaluiert, wie erfolgreich das Programm Sprach-Kitas ist.
  4. Die Ergebnisse der Evaluation wirken sich auf die Weiterentwicklung des Programms aus. An einigen Stellen wurde während der Programmlaufzeit nachjustiert.

Weil wir 45 Einrichtungen in den letzten Jahren begleitet haben, wissen wir, dass sich das Programm bewährt. Die Sprach-Kita-Teams setzen sich mit den genannten Themen auseinander. Sie reflektieren, entwickeln Ideen und probieren Methoden aus. Sie schaffen neue Lernumgebungen für die Kinder und verbessern die Zusammenarbeit mit den Eltern, um in einen vertrauensvollen Austausch zu kommen.

Verstetigung braucht finanzielle Ressourcen und Zeit

Zwar wirken der enorme Personalmangel im Feld der Kindertagesbetreuung sowie eine hohe Fluktuation von Mitarbeiterinnen immer wieder hemmend auf die Weiterentwicklung der Qualität und den Wissenstransfer in den Einrichtungen. Das Bundesprogramm jetzt zu beenden bedeutet jedoch, dem stets herausgehobenen Förderziel der Verstetigung, das heißt der nachhaltigen Implementierung der erfolgreichen Aspekte des Programms, den Rücken zu kehren und den 6.802 Sprach-Kita-Teams, den 7.291 zusätzlichen Fachkräften und den 526 Fachberaterinnen die Erfolge der letzten fünf Jahre intensiver Arbeit abzusprechen*. Nicht zu vergessen, dass etwa 500.000 Kinder in irgendeiner Form davon betroffen sein werden, dass das Programm abrupt beendet wird, entgegen der im Dezember 2021 gemachten Zusage, es weiter zu führen. Denn es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die einzelnen Bundesländer die Struktur des Programms Sprach-Kita in einem halben Jahr übernehmen und im gleichen Maße Fachberatung sowie zusätzliche Fachkräfte finanzieren können.

Praxisfeld weiß um den Erfolg des Programms

Als die große Koalition (SPD und CDU) das Programm vor einem Jahr nochmals ausweitete und für 1.000 weitere zusätzliche Fachkräfte sowie 80 Fachberater*innen die Finanzmittel bereitstellte, bekundeten 3.500 Träger ihr Interesse. Das zeigt: Das Programm ist bekannt als auch beliebt und die Praxis weiß um die vielen Vorteile einer Teilnahme. Angenommen, die Bundesregierung hätte im Juli dieses Jahres verkündet, das Programm für weitere Träger und Einrichtungen zu öffnen und die Finanzmittel erneut zu erhöhen, das Fachfeld hätte diese Entscheidung mit großer Zustimmung aufgenommen.

Gleiche Bildungschancen für alle Kindern

Das Ende des Programms in einem halben Jahr wird in vielen Einrichtungen nun einen Qualitätsentwicklungsprozess aufhalten, von denen viele Kinder und Eltern in den letzten Jahren profitiert haben. Expertise wird verloren gehen, wenn Fachberater*innen nicht mehr finanziert werden können. Teamberatung und -begleitung findet nicht mehr statt, wo zusätzliche Fachkräfte zu hundert Prozent in den normalen Gruppendienst eingeteilt sind. Nur finanzstarke Kommunen und Städte sowie Träger, die es sich leisten können, werden Ressourcen haben, um Teile des erfolgreichen Programms zu übernehmen. Einige wollen dies auch tun. Doch Chancengleichheit im Bildungssystem sieht anders aus. Der Wohnort darf nicht darüber entscheiden, wie gut die Bildungschancen der dort lebenden Kinder und die Qualität der Kita ist.

Es muss für die Sprach-Kitas weitergehen!

„Die ,Sprach-Kitas‘ sind das bislang größte und erfolgreichste Bundesprogramm im Bereich der frühkindlichen Bildung“ – schreibt das Bundesfamilienministerium in seiner Broschüre „Sprache ist ein Schatz“, die es im Herbst letzten Jahres veröffentlicht hat. Diese Aussage des Ministeriums ist die beste Rechtfertigung, das Bundesprogramm Sprach-Kitas weiterzuführen. Wir plädieren mit Nachdruck dafür!

Wir unterstützen die Kampagne „Sprach-Kitas retten“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki organisiert derzeit eine Kampagne für eine Weiterführung und Verstetigung des Bundesprogramms Sprach-Kitas. Eine wichtige Aktion der Kampagne ist eine Petition an den Deutschen Bundestag, um eine Anhörung zu erwirken. Denn erst Ende November 2022 wird endgültig über den Haushalt entschieden, das heißt darüber, wie viele Finanzmittel welchen Bereichen zur Verfügung stehen werden. Die Petition muss mindestens 50.000 Unterstützer*innen finden, damit die Anhörung erfolgen muss.

Alles über die Kampagne und Unterlagen zur Unterstützung der Petition finden sich auf der Kampagnen-Webseite:
Sprach-Kitas retten!

* Quelle: Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2021): Sprache ist ein Schatz! Impulse und Erfahrungen aus dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“, S. 8-9)