Das Bundesfamilienministerium wird die Fachkräfteoffensive in 2020 nicht weiterführen. Die LAG Freie Kinderarbeit war davon ausgegangen, dass der Bund auch im Schuljahr 2020 / 2021 die Ausbildungsvergütung von etwa 200 hessischen Fachschülerinnen und Fachschüler in der Erzieher*innenausbildung bezuschusst. Die Hintergründe für die Entscheidung des Ministeriums sind nicht bekannt.

Mit der Fachkräfteoffensive wollte der Bund ursprünglich 300 Millionen Euro in die Ausbildung von Erzieher*innen und in Aufstiegsmöglichkeiten von Fachkräften in der Kindertagesbetreuung investieren. Zuschüsse für 5.000 Praxisintegrierte vergütete Ausbildungsplätze hatte das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) vorgesehen. Das waren Förderziele der Fachkräfteoffensive, wie sie das BMFSFJ in einer Präsentation im Jahr 2018 vorstellte (Präsentation Fachkräfteoffensive vom November 2018) Nun sind es lediglich 2.500 Plätze bundesweit. Die Fördersumme ist von 300 Millionen Euro auf 160 Millionen geschrumpft.

Fachkräfteoffensive-Stopp kommt überraschend

Auch das Land Hessen hatte fest mit der Förderung vom Bundesfamilienministerium für die Erzieherinnenausbildung PivA (Praxisintegrierte vergütete Ausbildung) gerechnet. Im Schuljahr 2020/2021 sollten etwa 200 angehende Erzieherinnen von der Bundesförderung profitieren. Weitere 200 Ausbildungsplätze wollte das Land Hessen bezuschussen. Hessens Familienminister Kai Klose hat sich in einem Brief an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gewendet mit der Bitte, das Programm wie ursprünglich angekündigt durchzuführen. Damit wird derzeit jedoch nicht mehr gerechnet.

Auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums findet sich keine Stellungnahme zum plötzlichen Stopp des Programms. Lediglich in einem Online-Artikel des Nachrichtenmagazins Spiegel steht, dass die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey die Fachkräfteoffensive als Starthilfe für die Länder versteht. Diese seien ihrer Meinung nach nun selbst in der Pflicht.

Mangelnde Transparenz seitens des Bundesfamilienministeriums

Die LAG Freie Kinderarbeit Hessen e.V. ist enttäuscht über die plötzliche und unerwartete Kürzung im Förderprogramm Fachkräfteoffensive. Neben dem Land Hessen haben auch viele Träger von Kindertageseinrichtungen mit einer Bezuschussung vom Bund gerechnet. Außerdem kritisiert die LAG Freie Kinderarbeit die fehlende Transparenz des Bundesfamilienministeriums. Bei der feierlichen Unterzeichnung des Gute-Kita-Vertrags am 21. November 2019 entstand der Eindruck, dass die Bundesregierung die Länder weiterhin im Kampf gegen den Fachkraftmangel unterstützen wird. Zwei Monate später wird offiziell über die Presse bekannt, dass das Bundesfamilienministerium das Programm einstellt. Der Rückzug aus der Förderung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn Kindertageseinrichtungen und insbesondere die betreuten Kinder werden die eklatanten Probleme des Fachkraftmangels in den nächsten Jahren weiterhin spüren. Kitas brauchen neues Personal. Eine Ausbildungsvergütung macht den Einstieg in den Beruf attraktiver. Deswegen braucht es diese dringend.